RAM-Preise 2026: Verdopplung bis Jahresende? Was hinter der neuen Warnung steckt

Ein Lexar-Manager rechnet persönlich damit, dass sich RAM bis Ende 2026 nochmals verteuern und im Extremfall sogar verdoppeln könnte. Die Knappheit ist real – doch aktuelle Marktdaten zeigen ein differenzierteres Bild: Die Preise steigen weiter, während Konsumenten und PC-Hersteller zunehmend an ihre Belastungsgrenze kommen.

Die Richtung ist klar, die Grössenordnung nicht: Steigende Grosshandelspreise erreichen den Detailhandel oft mit Verzögerung.

Die Meldung in Kürze

Chris Xia, Lexars Regional Manager für Australien und Neuseeland, sagte gegenüber Medien am 6. Juni 2026, er gehe persönlich davon aus, dass sich RAM-Preise bis zum Jahresende verdoppeln könnten. Gleichzeitig warnte er davor, aktuelle Preisnachlässe als Entspannung zu interpretieren. Händler und Distributoren würden teilweise ältere Bestände abverkaufen oder günstigere Restposten aus anderen Regionen beziehen. Neue Lieferungen könnten danach zu deutlich höheren Einkaufspreisen eintreffen.

Wichtig ist die Einordnung: Es handelt sich nicht um eine offizielle Lexar-Unternehmensprognose und auch nicht um einen Konsens des gesamten Speichermarktes. Die Aussage beschreibt ein mögliches Stressszenario. Sie passt zur angespannten Versorgungslage, ist aber deutlich aggressiver als die aktuellsten Quartalsprognosen grosser Marktforscher.

TechIndex-Einordnung: Eine weitere Verteuerung bis zum 31. Dezember 2026 ist plausibel. Eine pauschale Verdopplung aller DDR4- und DDR5-Kits ist dagegen nicht gesichert. Produktklasse, Speicherdichte, Hersteller, Händlerbestand und Region können zu stark unterschiedlichen Preisbewegungen führen.

Was die Marktdaten tatsächlich zeigen

Die dramatischsten Bewegungen fanden bereits Anfang 2026 auf der Ebene der Vertragspreise statt. TrendForce bezifferte den Anstieg konventioneller DRAM-Vertragspreise im ersten Quartal auf rund 93 bis 98 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Für das zweite Quartal wurden nochmals 58 bis 63 Prozent erwartet. Im dritten Quartal soll sich die Dynamik deutlich abschwächen – die Preise aber weiterhin um 13 bis 18 Prozent steigen.

Prognostizierte bzw. gemeldete Veränderung konventioneller DRAM-Vertragspreise 2026
1. Quartal 2026
+93–98%
2. Quartal 2026
+58–63%
3. Quartal 2026
+13–18%

Die Werte beziehen sich auf unterschiedliche Quartale und Vertragspreise, nicht direkt auf den Endkundenpreis eines bestimmten RAM-Kits. Sie dürfen deshalb nicht einfach zu einer Retail-Prognose multipliziert werden.

Auch der Detailhandel zeigt kein einheitliches Bild. In Deutschland sanken durchschnittliche DDR5-Retailpreise im März 2026 erstmals nach acht Monaten leicht, lagen laut einer von TrendForce aufgegriffenen Auswertung aber weiterhin rund 408 Prozent über dem Niveau von Juli 2025. Eine kurzfristige Preiskorrektur kann also gleichzeitig mit einem extrem hohen langfristigen Preisniveau auftreten.

Warum KI-Rechenzentren normalen RAM verteuern

Die oft verkürzte Erklärung lautet: KI-Unternehmen kaufen den Konsumenten den RAM weg. Technisch ist die Lage komplizierter. KI-Beschleuniger verwenden vor allem High Bandwidth Memory, kurz HBM, während Desktop-PCs und Notebooks DDR4, DDR5 oder LPDDR nutzen. Die Produkte sind nicht austauschbar – sie konkurrieren aber um Teile derselben Produktionsbasis, Investitionsbudgets, Reinraumflächen und fortschrittlichen Fertigungskapazitäten.

HBM besteht aus vertikal gestapelten DRAM-Chips und benötigt aufwendige Fertigungs- und Packaging-Schritte. Micron verweist auf ein sogenanntes Trade Ratio von etwa 3:1 gegenüber DDR5: Für dieselbe verkaufbare Speicherkapazität beansprucht HBM grob ein Mehrfaches der Wafer-Ressourcen. Mit neueren HBM-Generationen kann dieser Effekt weiter zunehmen. Hersteller verdienen gleichzeitig im Server- und KI-Geschäft höhere Margen und erhalten langfristige Abnahmeverträge – ein starker Anreiz, verfügbare Kapazität dort zu priorisieren.

HBM

KI- und Servermarkt

Hohe Margen, langfristige Verträge, stark wachsender Bedarf und hoher Ressourcenverbrauch pro Bit.

DDR

PC- und Konsumentenmarkt

Preissensible Käufer, schwächere Nachfrage und weniger Verhandlungsmacht bei knapper Produktion.

Warum Rabatte keine Entwarnung sein müssen

Zwischen Chip-Fabrik und Schweizer Onlineshop liegen mehrere Stufen: Modulhersteller kaufen DRAM-Chips, bestücken Leiterplatten, verkaufen an Distributoren und diese wiederum an Händler. Jede Stufe arbeitet mit eigenen Lagerbeständen und Verträgen. Dadurch kann ein Händler noch Wochen oder Monate günstige Ware anbieten, obwohl neue Chargen bereits deutlich mehr kosten.

Temporär günstig

Abverkauf alter Lagerware

Ein Händler senkt den Preis, um Kapital freizusetzen oder Platz für teurer eingekaufte Nachfolgebestände zu schaffen.

Regional begrenzt

Importierte Restposten

Distributoren verschieben Ware aus Regionen mit älteren oder günstigeren Beständen. Der Effekt endet, sobald diese Chargen ausverkauft sind.

Weiterer Preisdruck

Neue Einkaufspreise

Steigende Vertragspreise gelangen verzögert in neue Retail-Lieferungen und können bisherige Angebote abrupt ersetzen.

Mögliche Bremse

Nachfrage bricht weg

Wenn Konsumenten Käufe verschieben, können Händler ihre Margen reduzieren. Das bremst Retailpreise, löst aber die Produktionsknappheit nicht.

DDR4 kann trotz älterer Technik besonders teuer werden

Normalerweise werden ältere Speicherstandards günstiger, sobald eine neue Generation den Massenmarkt übernimmt. In einer Angebotskrise kann sich dieser Effekt umkehren. Samsung, SK hynix und Micron haben Kapazitäten von DDR4 und LPDDR4X in Richtung neuerer und profitablerer Produkte verschoben oder End-of-Life-Pläne angekündigt. Gleichzeitig benötigen weiterhin Millionen bestehender PCs, Server und Industrieanlagen genau diese älteren Module.

Dadurch entsteht ein Legacy-Aufschlag: Die Nachfrage sinkt zwar langfristig, die Produktion kann aber schneller zurückgehen. Für Aufrüstungen älterer Systeme bedeutet das, dass DDR4 nicht automatisch die günstige Alternative zu DDR5 bleibt. Besonders spezifische SO-DIMMs, ECC-Module und hohe Kapazitäten können überproportional reagieren.

Schweizer Markt: Hohe Preise erreichen auch den Detailhandel

Wechselkurse können internationale Preissteigerungen bei Importware teilweise abfedern. Sie verhindern aber nicht, dass massiv höhere Komponenten- und Einkaufspreise im Schweizer Handel ankommen. Zusätzlich unterscheiden sich Angebote stark nach Lagerbestand, Lieferant und Modell. Ein günstiges Einzelangebot ist deshalb noch kein verlässlicher Marktindikator.

Markt-Snapshot Schweiz, Mitte Juli 2026

Zwei konkrete Preisvergleichsbeispiele zeigen, wie hoch selbst gewöhnliche 32-GB-Kits inzwischen notiert sein können. Die Werte sind Momentaufnahmen und keine Durchschnittspreise.

ab CHF 404.80
Kingston Fury Beast, 32 GB DDR5-6000 CL30, Preisvergleichsstand vom 11. Juli 2026
ab CHF 464.00
G.Skill Trident Z5 Neo RGB, 32 GB DDR5-6000 CL30, Preisvergleichsstand vom 17. Juli 2026

Für Schweizer PC-Bauer ist deshalb weniger die Frage entscheidend, ob ein Kit heute zehn Franken günstiger ist, sondern ob es tatsächlich verfügbar, kompatibel und für den geplanten Einsatz notwendig ist. Ein scheinbar gutes Angebot verliert seinen Vorteil, wenn später ein Mainboard-Wechsel, instabile EXPO/XMP-Einstellungen oder eine ungeplante Mischbestückung nötig werden.

Verdoppeln sich die Preise bis Ende 2026 wirklich?

Der aktuelle Markt lässt mehrere Entwicklungen zu. Die wahrscheinlichste Richtung bleibt nach oben, doch die Spanne ist breit. Eine pauschale Prognose für «RAM» übersieht, dass Desktop-DDR5, DDR4, Notebook-SO-DIMMs, Server-RDIMMs und mobile Speicher jeweils eigene Lieferketten und Preisbildungsmechanismen haben.

Basisszenario
Vertragspreise steigen weiter, aber langsamer. Retailpreise ziehen verzögert und je nach Lagerbestand unterschiedlich stark an.
Stressszenario
Neue Lieferungen werden knapp, Hersteller priorisieren Serverkunden und alte Bestände laufen aus. Bestimmte Kits oder Kapazitäten können sich gegenüber dem Preisniveau vom Juni 2026 annähernd verdoppeln.
Entlastung
PC- und Smartphone-Nachfrage fällt stärker als erwartet, chinesische Anbieter erhöhen die verfügbare Menge und Händler akzeptieren kleinere Margen. Preise stabilisieren sich auf hohem Niveau, ohne schnell auf 2025 zurückzufallen.

Jetzt kaufen oder warten?

Panikkäufe sind selten sinnvoll. Wer in den nächsten Wochen sicher einen neuen PC baut, ein produktiv genutztes System aufrüstet oder eine defekte Maschine repariert, trägt beim Warten allerdings ein reales Preis- und Verfügbarkeitsrisiko. Wer nur spekulativ von 32 auf 64 GB wechseln möchte, sollte zuerst prüfen, ob der eigene Arbeitsalltag den zusätzlichen Speicher überhaupt ausnutzt.

  • Bedarf vor Takt: Ausreichende Kapazität ist meist wichtiger als ein teures High-End-Kit mit maximalem Speichertakt.
  • Kompatibilität prüfen: QVL des Mainboards, Bauhöhe, EXPO/XMP-Profil und maximale Modulbestückung vor dem Kauf kontrollieren.
  • Komplettes Kit kaufen: Zwei getrennt gekaufte, nominell identische Kits können andere Speicherchips oder Subtimings verwenden.
  • Preisalarme nutzen: Kurzfristige Lagerabverkäufe bleiben möglich, auch wenn der Gesamtmarkt steigt.
  • DDR4-Systeme nüchtern bewerten: Eine teure Altplattform-Aufrüstung kann wirtschaftlich schlechter sein als ein geplanter Plattformwechsel.

Fazit: Die Warnung ist ernst – die Verdopplung bleibt ein Szenario

Der Speichermarkt befindet sich 2026 nicht in einer gewöhnlichen saisonalen Schwankung. KI-Rechenzentren, HBM-Produktion, langfristige Grosskundenverträge und begrenzte Reinraumkapazitäten verschieben die Macht zu den Herstellern. TrendForce und Micron bestätigen, dass das Angebot knapp bleibt und weitere Preissteigerungen wahrscheinlich sind.

Trotzdem sollte die Aussage eines einzelnen Lexar-Managers nicht als garantierte Verdopplung aller RAM-Preise verstanden werden. Aktuelle Daten sprechen eher für einen Markt, in dem die extremen Anstiege langsamer werden, das Preisniveau aber hoch bleibt und einzelne Produkte nochmals deutlich teurer werden können. Für Käufer gilt: Benötigte Hardware nicht endlos aufschieben – aber auch nicht jedes kurzfristige Angebot aus Angst kaufen.

Quellen und Datenbasis

Marktprognosen können sich kurzfristig ändern. Vertragspreise, Spotpreise und Detailhandelspreise beschreiben unterschiedliche Ebenen der Lieferkette und sind nicht direkt gleichzusetzen.

  1. Tom's Hardware: Lexar-Manager erwartet möglicherweise verdoppelte RAM-Preise
  2. TrendForce: DRAM-Vertragspreise sollen im dritten Quartal 2026 um 13–18% steigen
  3. TrendForce: DRAM-Umsatz und Vertragspreise im ersten Quartal 2026
  4. TrendForce: AI-Server treiben Speicherpreise im zweiten Quartal 2026
  5. TrendForce: DDR5-Retailpreise bleiben trotz Rückgang deutlich über 2025
  6. Micron: Fiscal Q3 2026 Earnings Call – Nachfrage übersteigt Angebot über 2027 hinaus
  7. Micron: HBM Trade Ratio und strukturelle Angebotsknappheit
  8. SK hynix: 2026 Market Outlook – HBM-geführter Memory-Supercycle
  9. TrendForce: DDR4- und LPDDR4X-End-of-Life-Pläne verschärfen Legacy-Knappheit
  10. Toppreise.ch: Schweizer Preis-Snapshot G.Skill DDR5-6000
  11. Toppreise.ch: Schweizer Preis-Snapshot Kingston DDR5-6000